Selbstschutz in der therapeutischen Praxis

Selbstschutz für Therapeuten

Ein wichtiges Thema über das Therapeuten, Coaches und all diejenigen, die im Einzelsetting mit Klienten arbeiten nachdenken sollten ist das Thema Sicherheit und Selbstschutz.

Wir wurden in letzter Zeit mehrfach (gerade auch von Kolleginnen) gefragt "Was kann ich in meiner Praxis für meine eigene Sicherheit tun?".
In diesem Artikel möchten wir einmal einige Gedanken zum Thema Sicherheit des Therapeuten zusammenfassen und mögliche Lösungswege skizzieren, wie Sie potenzielle Gefahren vermeiden können.

Wir möchten dabei keine Schwarzmalerei betreiben, aber auch nicht zu blauäugig sein. Als Therapeuten sehen wir grundsätzlich zuerst das Gute im Menschen, es wäre aber weltfremd, aufgrund eigener Haltungen und Ideale die Gefahr zu ignorieren, die von anderen Menschen nun einmal ausgehen könnte.

Wir möchten unseren Lesern an dieser Stelle einfach ein paar Impulse geben, sich einmal Gedanken über Ihre persönliche Situation zu machen und zu prüfen ob es evtl. angebracht wäre, Maßnahmen für die Verbesserung der eigenen Sicherheit in der täglichen Arbeit zu ergreifen.

Auch wenn man sich als Therapeut lieber mit anderen Themen beschäftigt: Wenn auch nur eine einzige Gefahr abgewendet werden und ein einziger Kollege vor Schaden bewahrt werden kann, haben sich alle diese Gedanken schon gelohnt!

Therapeuten machen sich häufig sehr viele Gedanken um das Wohlbefinden und die Sicherheit ihrer Klienten.
Sie möchten, dass es ihren Klienten gut geht, möchten sie vor unangenehmen Gefühlen schützen und wünschen sich natürlich auch, dass ihre Klienten in ihrer Praxis die Umgebung finden, in der sie loslassen und Wege zu ihren individuellen Zielen finden können.

Doch wenn man Therapeuten fragt, "Was tust Du denn für Deine Sicherheit?", kommt häufig ein verlegenes Schweigen oder ein "Ach, mit passiert schon nichts...".

Viele Therapeuten haben sich noch nie Gedanken darüber gemacht ob ihre Sicherheit bei ihrer Arbeit überhaupt bedroht sein könnte. Bei all den Überlegungen, wie man selbst seinen Klienten gegenüber vertrauenswürdig und seriös erscheinen kann, vergisst man schnell die Frage "Sind denn auch alle Klienten vertrauenswürdig und seriös?".

Man ist bemüht, seinen Klienten die Leistung zu bringen, die sie sich wünschen...
Man ist (gerade als Hypnosetherapeut) bemüht, seinen Klienten deutlich zu machen, dass man selbst keine Gefahr für sie ist (weil auch heute noch der ein oder andere Klient sich sorgt, in Hypnose könne man ihn zu seinen Ungunsten manipulieren).

Doch was wäre, wenn ein Klient einem Therapeuten / Behandler gegenüber aggressiv wird?

Vielleicht winkt der ein oder andere ab und sagt "Das ist in 20 Jahren therapeutischer Tätigkeit noch kein einziges mal vorgekommen..." und tatsächlich kommt es in ambulanten Praxen, die nicht mit speziellen Klientengruppen arbeiten, bei denen Aggressivität zu erwarten ist erfahrungsgemäß eher selten vor, aber Fact ist: als Therapeut/in, der/die in der Einzelbehandlung mit Klienten arbeitet ist man einer potenziellen Gefahr ausgesetzt, die man ernstnehmen sollte.

Risikoszenarien: Was könnte passieren?

Zuerst sollte man sich Gedanken machen, was in einer therapeutischen Praxis ungünstigstenfalls passieren könnte.

Dies soll natürlich keine Schwarzmalerei sein und wir möchten betonen, dass uns keine derartigen Vorkommnisse im Kollegenkreis bekannt sind, aber dennoch sind sie leider nicht auszuschließen.
Deshalb hier einige Gedanken zu möglichen Gefahrensituationen:

  • Da Termine zumeist telefonisch vereinbart werden und der Therapeut seinen Klienten im Vorfeld nicht kennt, ist es durchaus möglich, dass ein Klient ein Sitzung unter falschem Namen bucht, um einen Überfall durchzuführen. Er benötigt dazu nicht mehr als ein Telefon. Auch wenn Therapeuten in ihren Praxen i.d.R. keine höheren Geldsummen bei sich haben, sollte man bedenken, dass mancher Kiosk schon wegen 20 Euro überfallen wurde.

  • Die psychische Situation eines Klienten lässt sich vor der ersten Sitzung nur schwer einschätzen und es ist nicht auszuschließen, dass ein Klient erscheint, der aufgrund einer psychischen Störung zu Aggressionen neigt und allein aufgrund der eigenen Schilderung seiner Probleme im Rahmen der Anamnese aggressiv wird. Diese Aggressionen können sich ungünstigstenfalls gegen den Therapeuten richten.

  • Es ist denkbar, dass es aufgrund einer ungünstigen Konstellation während eines Gesprächs (der Therapeut macht bspw. ohne bösen willen einen Vorschlag, wie man an ein Problem herangehen könnte, der dem Klienten schon von anderer Seite gemacht wurde, die er für "feindlich" hält) Aggressionen im Klienten entstehen und dieser die Gefühle gegenüber dieser Seite auf den Therapeuten projeziert.

  • Manchmal Erkennt man als Therapeut, dass die Probleme eines Klienten die eigenen Möglichkeiten überschreiten und muss ihn an eine andere Stelle verweisen (z.B. einen Psychiater, weil man vermutet, dass eine Störung vorliegt, die medikamentös behandelt werden sollte). In solchen Situationen kann der Klient sich trotz sorgfältigster Formulierung verletzt fühlen, da er in der Aussage des Therapeuten, seine Behandlung nicht durchführen zu können evtl. einen "Angriff" sieht. Er kann sich beleidigt (Ich bin doch nicht verrückt!), abgelehnt (Sie WOLLEN mir doch nur nicht helfen), enttäuscht (Ich hatte doch so ein gutes Gefühl, dass SIE mir endlich helfen können), belogen (Ich weiß, dass Sie mir helfen könnten, aber Sie tun jetzt so als ginge es nicht, weil Sie keine Lust auf mich haben) oder nicht ernstgenommen (Ihnen ist nicht klar, wie wichtig mir das alles ist) fühlen und bei Klienten mit entsprechenden Störungen können solche Gefühle durchaus Aggressionen auslösen.

  • Auch sexuelle Übergriffe sollte man bedenken: In der therapeutischen Literatur sind viele Beispiele aufgeführt, in denen ein Klient in das fürsorgliche Verhalten seiner Therapeutin als Liebe interpretierte und aggressiv reagierte als diese einen Annäherungsversuch seinerseits abwehrte.

Natürlich sind das alles Extremszenarien, die nicht allzuoft vorkommen und häufig treten sie auch nur "im kleinen" auf, sodass keine Gefährdungssituation für den Therapeuten oder die Therapeutin entsteht, dennoch sollte man sie nicht gänzlich ignorieren.

Risiko-Check: Bin ich erhöht gefährdet?

Um abschätzen zu können wie hoch ein Gefährdungsrisiko für einen einzelnen Therapeuten ist, haben wir eine Checkliste zusammengestellt, die jeder für sich selbst durchgehen kann:

  • Arbeite ich in einem Umfeld, in dem im Zweifel schnell Hilfe verfügbar wäre? In einer großen Gemeinschaftspraxis, in der gleich jemand nebenan ist, der auf ein lautes Rufen reagieren kann, ist das Risiko niedriger als wenn man allein arbeitet und niemand in direkter Nähe verfügbar ist. Denken Sie hierbei auch an Abend- oder Wochenendtermine. Ist wirklich ausnahmslos immer jemand da?

  • Arbeite ich häufig allein und außerhalb der "normalen Geschäftszeiten"? Also Abendtermine, Wochenendtermine, Termine bei denen andere Kollegen im Umfeld schon feierabend haben und Sie der einzige / letzte in der Praxis sind?

  • Arbeite ich in Privaträumen? Gelangt man von meiner Praxis schnell in meine Wohnung (Diebstahlrisiko)? Erkennen meine Klienten "nebenbei" meine privaten Gegebenheiten / lassen sich bestimmte Räume / Zugänge leicht erkennen und wie sind diese gesichert? Könnte ein potenzieller Einbrecher mich durch einen Praxistermin ausspionieren?

  • Wie ist meine körperliche Verfassung? Ein topfitter Therapeut, der nach Feierabend Kung Fu trainiert kann sich evtl. leichter zur Wehr setzen als ein unsportlicherer Kollege mit Rückenproblemen. Ein großer Mann kann sich evtl. leichter wehren (oder wirkt wenigstens so als ob er es könnte) als eine kleine Frau.

  • Was sind meine Behandlungsschwerpunkte? Arbeiten Sie evtl. mit Klienten, die an Störungen leiden, bei denen mit aggressivem Verhalten zu rechnen ist? Arbeiten Sie mit Klienten, die in extremer Geldnot sein könnten (vor allem Suchtklienten)?

  • Erwecken ich den Anschein, dass bei mir "etwas zu holen" ist? (Praxislage, Praxiseinrichtung, persönliches Auftreten, Kleidungsstil)

  • Hatte ich schon einmal den Fall, dass ein Klient sich in mich verliebt hat? Kam es schon öfter vor, dass Klienten sich auch privat mit Ihnen treffen wollten? Üben Sie eine Attraktivität auf Klienten des anderen Geschlechts aus, die bei entsprechenden Störungen leichter zu Problemen führen könnte als bei anderen Kollegen?

Natürlich lässt sich durch diese Fragen kein Urteil fällen ob Sie gefährdeter oder weniger gefährdet sind. Wenn Sie aber festgestellt haben, dass es hier einen "Wunden Punkt" bei Ihnen gibt, durch den Sie einer erhöhten Gefährdung ausgesetzt sein könnten, sollten Sie auf jeden Fall über Lösungsmöglichkeiten nachdenken.

Bewältigungsstrategien: Was kann ich tun?

Wir gehen davon aus, dass jedem Therapeuten / Behandler klar ist, dass er zuerst versuchen sollte, mögliche Aggressionen eines Klienten auf therapeutischem Wege zu lösen.

Verhalten Sie sich ruhig, sprechen Sie ganz klar an, dass dieses Verhalten zu weit geht und der Klient damit aufhören soll, bitten Sie den Klienten, sich wieder zu beruhigen und versuchen Sie, die Situation wieder zu normalisieren.

Sollte der Klient nicht zu beruhigen sein oder sich keine Lösung abzeichnen und Sie zur Meinung kommen, dass Sie tatsächlich gefährdet sind, sollten Sie nicht aus falscher Dienstleisterhaltung zögern, um Hilfe zu rufen oder sich zur Wehr zu setzen.

  • Achten Sie darauf, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem Sie bei Bedarf schnell und zuverlässig durch lautes Rufen Hilfe herbeiholen können

  • Holen Sie von Klienten vorab bspw. durch Kurzanamnese am Telefon, einen Anamnesebogen per Mail oder ein Kontaktformular auf Ihrer Website wichtige Basisinformationen ein, die Ihnen eine erste Einschätzung erlauben ob ein Klient überhaupt für eine Behandlung geeignet ist und lehnen Sie Klienten, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine Behandlung mit Ihrer Therapiemethode nicht empfehlenswert ist oder bei denen ein offensichtliches Gefahrenpotenzial besteht (bspw. Wahnvorstellungen, Drogenabhängigkeit, Aggressionen und Gewaltausbrüche als Behandlungsthema, Sexualstörungen bei denen eine erhöhte Gefahr für aggressives Verhalten bekannt ist u.ä.) ggf. schon im Vorfeld ab, wenn Sie nicht auf diese Themen spezialisiert sind und genau wissen, wie Sie mit solchen Klienten umgehen müssen bzw. nicht entsprechend gegen Eskalationen abgesichert sind (das ist natürlich kein perfekter Schutz, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sich so schon der ein oder andere potenzielle "Problemklient" "aussieben" und gleich vorab an eine geeignetere Stelle verweisen lässt, der ansonsten ggf. ein Risiko darstellen könnte)

  • Wägen Sie ab ob es gut ist, Ihre Praxis in Ihren Privaträumen zu führen und damit ggf. zu starke Einblicke in Ihre finanzielle Situation zu geben (Überfalls- und Einbruchgefahr). Trennen Sie Ihren Behandlungsraum ggf. durch abschließbare Türen / Sichtschutzmaßnahmen ab.

  • Besuchen Sie einen Selbstschutz- / Selbstverteidigungskurs (wird bspw. von der Polizei / Kampfsportschulen / Sicherheitsunternehmen angeboten - wichtig ist, dass es sich um eine Seriöses Angebot handelt!), in dem Sie richtiges Verhalten in Gefahrensituationen erlernen und vor allem auch einmal praktisch üben können (Achtung! - Theoretisches Wissen ist hier recht und schön - viele Teilnehmer solcher Kurse, die zuvor dachten, sie wüssten schon, was zu tun wäre merken aber erst dort in Rollenspielen, in denen entsprechendes Verhalten geübt wird, wie schwer es ihnen fällt einer anderen Person gegenüber bei Bedarf bspw. laut zu werden und erlernen dadurch dann Fähigkeiten, die sie ansonsten im Notfall nicht gehabt hätten)

  • Halten Sie eine geeignete Abwehrmöglichkeit griffbereit (z.B. Pfefferspray), mit der Sie sich im schlimmsten Fall zur Wehr setzen können; achten Sie dabei selbstverständlich auf das Einhalten geltender Gesetze und verwenden Sie keine Gegenstände, die gefährliche Verletzungen hevorrufen könnten (keine Messer, Schlagstöcke oder verbotenen Waffen!). Eine solche Abwehrmöglichkeit sollte einen Angreifer höchstens temporär stoppen, sodass Sie ungehindert die Gefahrenzone verlassen und Hilfe herbeiholen können. Achten Sie auch darauf, dass diese Abwehrmöglichkeit nicht nur eine "Alibifunktion" erfüllt (irgendwo ganz hinten in der untersten Schublade oder in einem Kästchen im Aktenschrank, 5 Meter weg vom Schreibtisch), sondern überlegen Sie sich, wie Sie sie unauffällig so platzieren können, dass Sie im Notfall mit einem Handgriff daran kommen.

Optimal: Beratung durch einen Profi

Manche Sicherheitsunternehmen, Selbstverteidigungsausbilder, aber auch die Polizei bieten häufig Beratungen bei Sicherheitsfragen an und helfen dabei, Sicherheitskonzepte zu entwickeln, die Hand und Fuß haben und auch rechtlich korrekt sind.

Wenn Sie wirklich gut auf eventuelle Problemsituationen vorbereitet sein möchten, können wir Ihnen nur dringend raten, sich von einem solchen Profi beraten zu lassen.

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